Wartenburg, den 30.1.1952

Lieber Christel und lieber Rolf!
. . . . . Die Zeit ist jetzt so aufregend. Schrieb ich Dir schon mal, dass sie die ganze Jugend von Bertung eingesperrt haben? In dem Dorf wurde in der Kirche deutsch gesprochen.
Die Organistin arbeitete mit der Christel und der Lilli zusammen. Mit einem Mal wurde sie von der Arbeit geholt und eingesperrt.
Das war im Herbst 1951.
So nach und nach haben sie dann die ganze Jugend geholt. Die Organistin lag im Gefängnis 10 Wochen krank und ist vorige Woche gestorben. Ich kannte sie auch sehr gut. Wir waren alle einmal bei ihr zu Hause gewesen, im Sommer.
Der Freund von diesem Mädel arbeitet 2 1/2 Jahre in der Kohlengrube. Er hat bei den Soldaten den Eid nicht geleistet. Dafür muss er in der Grube arbeiten. Wie lange weiß keiner.

Die-vergessenen-BüßerDieser Brief aus Wartenburg war an Frau Christine Andree in Bochum gerichtet und wird hier auszugsweise wiedergegeben. Die Briefschreiberin spricht die Vorkommnisse in Bertung aus dem Jahre 1950 an.

Was geschah damals in Bertung?

Einen umfassenden Sachverhalt dieser Ereignisse liefert der Bericht von Johannes Lobert der in der Jomen-Post vom Dezember 2003 abgedruckt wurde. Die Abhandlung umfasst 93 Seiten und liefert neben der Schilderung der Ereignisse auch Haftberichte und die Anklageschrift.

Die Auflage der Jomen-Post betrug 1300 Exemplare und ist weitgehend vergriffen. In den Beständen der Heimatstube gibt es noch einige Bücher die auf interessierte Leser warten.

Wenden Sie sich bitte an unseren Archivar, Siegfried Keuchel:
siegfried.keuchel@gmx.de